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Niederschrift
Arbeitsgespräch zur Bündelung, deutschland- und europaweiter Vernetzung von Projekten zur Gewaltprävention am 26.02.2010 in der Walter-Gropius-Schule Erfurt 12.00 - 15.00 Uhr und anschließend im Restaurant "Gartenstadt" / Gutenberg-Gymnasium 15.00 - 18.30 Uhr
Begrüßung:
Herr Friebel, Schulleiter, sowie Herr Knappe, Präsident Maria Pawlowna Gesellschaft e.V., begrüßten die Teilnehmer und erläuterten das Ziel des Arbeitstreffens, bzw. brainstormings:
- Ist die Bündelung und deutschland- wie europaweite Vernetzung auch im Sinne der Vertreter aus Thüringen?
- Wenn ja, wie kann dieses Ziel gemeinsam mit der Stiftung gegen Gewalt an Schulen Winnenden und weiteren Partnern in Thüringen unterstützend realisiert werden? Die einzelnen Teilnehmer stellten sich vor und erläuterten ihren persönlichen Bezug zur Gewaltprävention an Schulen bzw. in der Gesellschaft.
Die Teilnehmer aus Winnenden waren meist selbst Betroffene, da sie unmittelbar durch den Amoklauf Angehörige verloren, bzw. engagierte Mitbürger, welche Gleichgesinnte zusammenbringen und unterstützen wollen. Der Gedanke des Brückenbaues und der deutschland- ggf. europaweiten Vernetzung steht klar im Vordergrund. Herr Schober, Vorsitzender der Stiftung gegen Gewalt an Schulen Winnenden, verwies auf die engen Verbindungen zwischen Winnenden und Erfurt auf Grund ähnlicher schicksalhafter Vorgänge. Gemeinsam mit Frau MA Gisela Mayer, stellv. Vorsitzende, erläuterten sie die bisherige Entwicklung.
Nach dem Amoklauf in Winnenden fanden sich die Betroffenen und verfassten einen Offenen Brief über das Geschehen und den daraus abgeleiteten Forderungen. Auf Grund der inhaltlichen Reaktionen gründete sich ein Arbeitsbündnis/ Förderverein „Gegen Gewalt an Schulen“. U. a. Bundespräsident Dr. Köhler regte zur Gründung einer "Stiftung gegen Gewalt an Schulen“ an. Sie definiert langfristige, gesellschaftliche Ziele. Eine Stiftung ist auf 99 Jahre festgeschrieben und verfügt somit über ein politisches wie auch gesamtgesellschaftliches sicheres Fundament. Zeitgleich wurde eine Sonderkommission im Baden-Württembergischen Landtag zur Gewaltprävention durch die Politik berufen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landtag wird angestrebt. Ziel der Stiftung ist es, ein deutschlandweites Netzwerk zu knüpfen, Ländergrenzen zu überschreiten und viele bereits existierende parallele Aktivitäten in Behörden, Vereinen und in der Wirtschaft zu bündeln. Im Bezug auf die finanzielle Unterstützung sieht man sich in Winnenden momentan auf eigene Aktivitäten beschränkt, d.h. Selbstakquise dient zur Einwerbung von Geldern. (z.B. CD-Verkäufe, Benefizkonzerte…)
Eine große Hilfe erfuhr die Stiftung durch die Beratung und Unterstützung von Herrn Björn Stager, welcher selbst vor 40 Jahren aus einer schicksalhaften Notsituation eine Stiftung gründete. (Seine Erfindung ist unter anderem die deutschlandweiten Notrufnummern 110 und 112.)
Politisches Ziel der Stiftung ist ganz klar der Kampf gegen Waffenbesitz und Killerspiele. Schirmherr der Stiftung ist der Innenminister von Baden-Württemberg, sein stärkster Verbündeter ist der Bundespräsident Dr. Köhler. Der anfänglich genannte Förderverein verfügt derzeit über 200 Mitglieder mit der Zielstellung auf mindestens 1000 anzuwachsen. Hauptunterstützer bzw. Sponsoren sind überwiegend Privatleute, Gewerkschaften, jedoch bedauerlicherweise sehr wenige Firmen.
Frau Mayer informierte, dass Stiftungsgelder auch aus anderen Stiftungen einfließen können. So gibt es bei ihnen den Kreisjugendring mit dem Projekt " Lebenslinien", Björn Steiger,
bzw. die Landesstiftung Baden-Württemberg, welche finanzielle Unterstützung zugesagt haben. Nach ihren Erfahrungen stehen Fördergelder für Gewaltprävention in allen Bundesländern zur Verfügung. Interessanterweise zeigt die Schweiz sehr starkes Interesse am gesamten Gewaltpräventionsthema, da bekanntlich jeder Schweizer sein eigenes Gewehr zu Hause haben darf. Die Hauptfrage für die Stiftungsarbeit ist:
Zitat: "Was brauchen unsere Kinder, dass sie Gewalt nicht brauchen?" Hierfür gibt es bereits eine DVD, welche gewaltrelevante Computerspiele benennt.
Diese dient der Information der Lehrer und der Schüler.
Zwei Softwareentwickler, die Gebrüder Stein, erarbeiten derzeit ein Programm, welches auf dem PC aufgespielt, das Aufrufen bzw. Herunterladen Gewalt verherrlichender Spiele verhindert. Weitere Unterstützung erhält die Stiftung von Frau Dr. Prof. Bannenberg, Kriminologin, Gießen.
Angestrebt wird ein fest integriertes Unterrichtsfach: "Soziale Kompetenzen."
Hier werden Konfliktlösungsprogramme erarbeitet und Teamarbeit trainiert. „Der Spiegel“ veröffentlichte bereits evaluierte Konzepte, wobei es davon bereits eine Vielzahl in den Bundesländern gibt,
jedoch einer vom anderen nichts weiß, bzw. keine oder kaum Kommunikation stattfindet. Frau Dörfler, als Vertreterin des Kultusministeriums, erläuterte ihre Unterstützungsgedanken:
Zunächst ist das Kultusministerium ausschließlich für Schulen zuständig, wobei jede Schule als eigenständig betrachtet wird. Hat eine Schule finanziellen Bedarf, so meldet sie diesen an und erhält im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten Fördergelder zuerkannt. Es existieren evaluierte Programme, welche auf Prof. Melzer / Leipzig zurückgehen.
Eine Notfallhotline für alle Schulen ist seit Jahren geplant. Die von ihr verwalteten Fördergelder sind ausschließlich nur für Schulen bestimmt. Herr Schober regte an, über ein "Zweigbüro" der Stiftung Winnenden in Erfurt nachzudenken.
Er empfahl weiterhin das Handbuch Gewaltprävention von Günther Google / Friedensinstitut Tübingen. Er regte an, die Buchvorstellung des Autors in Erfurt zu organisieren. Frau Mayer erläuterte die Vorteile eines Thüringer "Zweigbüros":
Alle beteiligten Schulen, Institutionen und Bürger hätten somit Zugriff auf die Bildungskonzepte von Baden-Württemberg, den Wissensstand der Psychologen von der Uni – Ulm sowie den aktuellen Erkenntnissen der Kriminologie bzw. der Lehrerfortbildung. Herr Bender, Leiter Landesstelle Gewaltprävention im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit,
selbst Vater von vier Kindern, betonte das große Interesse seines Ministeriums an der Umsetzung der genannten Ziele.
Er sieht einen sehr engen Zusammenhang
zwischen der zivilgesellschaftlichen Zielstellung und der staatlichen, institutionellen Interessenlage. Nach seinen Informationen findet jährlich eine Tagung „Deutscher Präventionstag statt“.
Neu ins Leben gerufen wurde ein Landespräventionsrat Thüringen.
Unterstützung für das angedachte "Zweigbüro" könnte z. B. durch Herrn Dr. Baer (Büroleiter der Landtagspräsidentin) gegeben werden. Dieser ist selbst Betroffener, da seine Frau eines der Opfer des Amoklaufs im Gutenberg-Gymnasium war.
Herr Bender signalisierte Unterstützung aller diesbezüglichen Initiativen. Er ist für alle Maßnahmen offen und erwarte Ideen und Strukturvorschläge. Durch sein Ministerium besteht großes Interesse an Vernetzung, wodurch er ein "Zweigbüro" in Thüringen der „Stiftung gegen Gewalt an Schulen“ für sinnvoll erachtet. Die nächsten Schritte sind von den Akteuren selbst zu gehen. Herr Friebel begrüßte die Initiativen der Beteiligten außerordentlich und stellte die Wichtigkeit und den dringenden Handlungsbedarf auch an seiner Schule heraus. Er informierte, dass die Jenaer Lobdebergschule schon jetzt das angeregte Unterrichtsfach fest im Schulprogramm habe und hier erste Erfahrungen vorliegen. Herr Knappe fasste das Arbeitsgespräch inhaltlich noch einmal zusammen:
- Die Teilnehmer begrüßen die Bündelung und Vernetzung der Gewaltpräventionsaktivitäten.
- Zu diesem Zweck ist die Einrichtung eines Zweigbüros Winnenden in Thüringen wichtig.
- Weitere Gespräche werden mit dem Kultus- und dem Sozialministerium,
weiteren Institutionen, Einrichtungen, Vereinen und Akteuren geführt.
- Von den heutigen "Suchgesprächen" wird eine Niederschrift angefertigt.
Herr Knappe bedankte sich für alle Hinweise und Anregungen und schlug vor, die Ergebnisse im anschließenden Arbeitsgespräch mit Frau Alt (Schulleiterin Gutenberg-Gymnasium) weiter zu vertiefen. Die Idee, ein "Zweigbüros" in Thüringen etablieren zu wollen, sei ein erstes, gutes Ergebnis, ein praktischer Schritt die Ziele zu realisieren. Anschließend wurden die Gespräche mit Frau Alt, Direktorin des Gutenberg-Gymnasiums
in der Gaststätte "Gartenstadt" in unstrukturierter Form fortgeführt. Frau Alt signalisierte, ggf. als Anlaufstelle im Sinne des "Zweigbüros" zur Verfügung zu stehen. Herr Knappe vereinbarte mit Frau Alt, die weiteren Gespräche mit dem Kultus- und dem Sozialministerium mit ihr gemeinsam zu führen. Für die Niederschrift: Holger Heerdegen
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